Baden-Baden – Im nahezu voll besetzten Renaissance-Saal des Friedrichsbades formulierte Rolf Pilarski, der Sprecher der FDP-Gruppe im Gemeinderat, die zusammen mit dem Badeärztlichen Verein der Kurstadt eingeladen hatte, zusammen mit drei weiteren Impulsreferenten Fragen zu den seit Menschengedenken heilenden Thermalwassern der renommierten Bäderstadt.
Den Auftakt markierte Brigitte Goertz-Meissner, seit kurzem zur Präsidentin des Deutschen Heilbäderverbandes avanciert, mit ihren Ausführungen zur eminenten Bedeutung der Thermen. „Immer wenn diese einen Aufschwung nahmen, profitierte Stadt. Nicht exportierbare Arbeitsplätze entstanden, ob im späten Mittelalter oder in der glanzvollen Belle Epoque oder eben heute“, wo die Therme rahmensetzende Bedingungen für die Fortentwicklung zur Kunst und Kulturstadt geschaffen hätten. Standortentscheidungen für Gewerbeansiedlungen seien in der Folge leicht gefallen und „nur hier ist in Fünfsternehäuser namhaft investiert worden. Wir können dem flüssigen Gold unserer Stadt, entstanden durch eine Laune der Natur und von ihr herrlich umgeben, deshalb nicht genug Aufmerksamkeit schenken“. In dieselbe Kerbe allerdings aus medizinischem Fokus hieb Badeärztin Dr. Irmgard Tilemann. Sie benannte die vielfältigsten Indikationen für Anwendungen im und mit dem Thermalwasser, während Rechtsanwalt und FDP-Kreisvorsitzender Dr. René Lohs nach einem fiktiven Horrorgemälde einer Brunnenbürokratie sehr dezidiert die Frage stellte, ob die Thermalbrunnen der Stadt überhaupt hätten abgeschaltet werden dürfen. „Nein“, meinte der Fachjurist, „denn das geschah völlig unverhältnismäßig“ unter Verweis auf eine ähnliche Sachlage in Aachen, wo das zuständi-ge Regierungspräsidium diese Stadt sang und klanglos angewiesen habe, die Brunnen wieder in Gang zu setzen.

FDP für BKV-Gespräche mit allen Fraktionen

Und die Verbotsschilder an Reiherbrunnen wie Fettquelle? „Gegen sie sollte sich“, so eine engagierte Wortmeldung aus dem Publikum, „massiver Widerstand formieren“, denn diese heilenden Wasser bräuchten eine Lobby, hätten sie aber leider nicht. Pilarski hatte zuvor nach Skizzierung der politischen Vorgeschichte seit 1934 die Zukunft der 2020 zur Verlängerung anstehenden BKV-Verträge ins Visier genommen und formuliert, „dass nicht etwa die Stadtspitze allein, sondern der Gemeinderat als Ganzes das Sagen haben muss, schließlich geht es hier um fünf Prozent unseres jährlichen kommunalen Etats“. Dazu müsse noch 2017 eine Strategie entwickelt werden und unbedingt Klarheit über die Ziele der Gegenseite im von Sparzwängen diktierten Haushaltsentwurf der neuen Finanzministerin entstehen. „Deren spätere Streichliste für die Kommunen darf nicht unseren sensiblen BKV-Bereich treffen“, so Pilarski weiter. Harte Verhandlungen stünden ab 2018 an, „je ein Mitglied einer jeden Ratsfraktion muss hier mit im Boot sein“, so der FDP-Sprecher zum Schluss. Wortmeldungen aus den Reihen der Zuhörer betrafen in der Folge noch den aktuell gültigen Grenzwert des in dieser Frage bedeutsamen Arsen, vor allem aber die Frage, wann diese Verbotsschilde an den öffentlichen Thermalbrunnen Reiherbrunnen und Fettquelle wieder verschwänden. „Exakt diese Frage werden wir im Gemeinderat stellen“, so Rolf Pilarskis Schlussperspektive.