„Es gibt nur einen Weg aus der Not und zur Freiheit, und das ist die Demokratie.“

Diese Worte des großen Liberalen Reinhold Maier, des ersten Ministerpräsidenten des damaligen Landes Württemberg-Baden, galten der am 6. Januar 1949 neu gegründeten Deutschen Volkspartei, deren Kürzel „DVP“ noch heute die Fraktion der Freien Demokraten im Stuttgarter Landtag im Namen führt.

Bereits drei Jahre zuvor, also 1946 – vor 70 Jahren – hatte sich – auch ermuntert von den alliierten Besatzungsmächten – bereits wieder politisches Leben in Baden geregt. Am 23. Februar waren es einiger mutige Männer, die unter Führung des Rechtsanwalts Dr. Bauer (übrigens nicht verwandt oder verschwägert mit Michael Bauer) die sog. „Ortsgruppe der Demokratischen Partei“ in Baden-Baden gegründet hatten. Die Genehmigung durch die französische Militärregierung sollte übrigens am 10.05.1946 erfolgen.

In Süd- und Mittelbaden wurde die Erlaubnis zur Gründung der „Demokratischen Partei“ schließlich am 16. März 1946 erteilt. Vorsitzender wurde der damalige Oberbürgermeister von Lahr, Dr. Paul Waeldin und zu einem seiner Stellvertreter wurde Dr. Paul Bauer gewählt.

Aus den am 15. September 1946 abgehaltenen Kommunalwahlen ging die Demokratische Partei hier in Baden-Baden als zweitstärkste Kraft hervor. Von den ca. 16.000 abgegebenen Stimmen erhielten die Liberalen ca. 4.000, also 25 %. Nebenbei bemerkt:

Die Badische Christlich Soziale Volkspartei (BCSV, Vorgängerin der CDU) erhielt ca. 8.000 Stimmen, die SPD 3.000 und die KPD 1.000.

Im ersten Gemeinderat der Stadt Baden-Baden saßen für die Liberalen neben Dr. Bauer, der schon von 1927 bis 1933 Stadtverordneter gewesen war (übrigens nicht verwandt mit unserem Michael Bauer), der Lebensmittelgroßhändler Franz Haynmüller, der Arzt Dr. Hedinger, der Hotelier Alfred Kötter, der Bankdirektor Max Siegl und der Architekt Ernst Walker, der u.a. an der Planung unserer Merkur-Bahn mitgewirkt hatte.

Die Gemeinderäte der „ersten Stunden“ fanden Aufgaben vor von ungleich größerer Dimension als heutzutage. Es ging um nichts Geringeres als darum, das schiere Überleben der Bevölkerung unserer Stadt zu sichern. Wir heutzutage, erst recht nicht meine Generation und die auf uns folgenden Generationen, können uns nicht vorstellen, dass damals viele Menschen morgens nicht wussten, ob sie bis zum Abendessen genügend Nahrungsmittel für die Familie beschaffen können würden. Und wenn man zu den glücklichen zählte, die ein festes Dach über dem Kopf hatten, konnte man nicht sicher sein, ob man nicht am nächsten Tag Platz machen werden muß für einzuquartierende Besatzungssoldaten.

In den Jahrzehnten des Wiederaufbaus waren es immer wieder auch liberale Stadträtinnen und Stadträte, die zum Wohle unserer Stadt wirkten. Viele von Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren, werden Namen wie Emil Ritzinger,  Handwerksmeister Hermann Gommel, der in den sechziger Jahren die treibende Kraft für die Lichtentaler Sportanlage im Haimbachtal war oder die überaus engagierten Leonore Mayer-Katz noch kennen.

Auf diese Gründergeneration folgten dann Liberale, die hier in Baden-Baden und am provisorischen Regierungs-sitz Bonn den Aufstieg Westdeutschlands zu einer führenden Wirtschaftsmacht aktiv begleiteten. Genannt seien etwa Dieter Haberbosch, Dr. Klaus-Peter Wiendieck, Reinald Heue.

Mit Dr. Olaf Feldmann war dann das liberale Baden-Baden in den achtziger bis zum Beginn der neunziger Jahre prominent im Deutschen Bundestag in Bonn und später mit Patrick Meinhardt in Berlin vertreten.

Freie Demokraten waren im Gemeinderat der Stadt Baden-Baden mal zahlreich, mal mit weniger Mitstreitern vertreten. In der Bevölkerung waren und sind die Liberalen bekannt als Stimme der Vernunft, der gut abgewogenen Worte und des freien und unabhängigen Denkens, sachorientiert und dem Allgemeinwohl verpflichtet. Dafür standen früher Männer wie Michael Bauer und Gerhard Ell und heute Rolf Pilarski und Hans Schindler, unser Landtagskandidat.

Anrede,

verzeihen Sie mir bitte, dass ich aus Zeitgründen hier nur wenige Persönlichkeiten namentlich erwähnt habe. Sicherlich gehören noch viele andere dazu.

Aber mit ist es ein Anliegen, gerade an einem Tag wie heute, an dem wir zurückblicken in eine Zeit der verwüsteten Städte und der verwüsteten Seelen, Dank zu sagen der Generation unserer Väter und Großväter, Mütter und Großmütter.

Diese Generation hat Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut, haben den Rechtsstaat nach den Zeiten des Unrechts wieder hergestellt, die soziale Marktwirtschaft anstelle der Staatswirtschaft eingeführt und dem Unternehmertum die Fesseln wieder abgenommen.

Diese Generation hat damit die Grundlagen für ein heute prosperierendes Land geschaffen, auf das die Welt anerkennend blickt und auf das wir alle stolz sein können.

Wir Freie Demokraten haben – in den Kommunen, im Land und im Bund, beginnend mit dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss – die Geschichte Deutschlands in den vergangenen 70 Jahren entscheidend mitgeschrieben.

Heute können wir stolz sein auf einen Staat, zu dessen Grundprinzipien die Demokratie und das Recht gehören. Und beides – die Demokratie und das Recht – werden die Freien Demokraten immer verteidigen. Wir wollen nie mehr einen Staat, in dem demokratische Grundsätze außer Kraft gesetzt werden und geltendes Recht nicht mehr angewendet wird! Denn wo Demokratie und Recht keine Geltung mehr haben, werden Diktatur und Anarchie herrschen.

Lassen Sie uns also in diesem Sinne heute als freie Demokraten unseren Festakt begehen!

 

 

 

 

 

Überreichung des Fotoalbums von Baden-Baden von Herrn Dr. Lohs (r.) an Herrn Dr. Wolfgang Gerhardt (l.)